Es gibt eine Sorge, die gerade viele Brautpaare plagt. Nämlich, dass nach all den Mühen der Hochzeitsvorbereitung und der Vorfreude auf den großen Tag das Coronavirus nun der geplanten Hochzeit im Wege stehen könnte. Die Situation ist ungewiss und keiner kann einschätzen, wie lange dieser „Zustand“ noch sein wird. Je mehr Krankheitsfälle es gibt und je mehr Maßnahmen auf Seiten der Regierung daraus gezogen werden, desto mehr schwindet die Hoffnung bei den Paaren, die in den nächsten Monaten ihr Hochzeitfest feiern wollten. Neben all dem Aufwand, der eine Verschiebung bedeutet, ist das auch irgendwie eine Geldfrage. Muss die Location trotzdem bezahlt werden? Und bleibt man denn nun auf der Anzahlung sitzen, die an dem Fotografen & Co schon geleistet hat? Welchen Aufwand und zusätzliche Kosten bedeutet die Neuorganisation der Hochzeit. Wir haben uns für euch erkundigt.

Rechtliches in Bezug auf Stornokosten und Anzahlungen bei Absage

Wird die Hochzeit abgesagt, gibt es zwei Situationen, die rechtlich zu unterscheiden sind.

1. Hochzeit Absage aufgrund von Veranstaltungsverbot

Aktuell ist die Durchführung von Hochzeitsfeierlichkeiten in Österreich und Deutschland verboten. Wie lange das noch so sein wird, ist im Grunde ungewiss, da die Situation laufend evaluiert wird. Eine Übersicht von aktuellen Maßnahmen des österreichischen Sozialministeriums findet ihr hier.  In Deutschland gibt es eine Chronik der bisherigen Maßnahmen.

So sehr es einem das Herz bricht, wenn feststeht, dass eine Absage der Hochzeit nicht mehr verhindert werden kann, gibt es jedoch einen kleinen Trostpreis in dieser schweren Situation. Muss aufgrund einer behördlichen Anweisung (Veranstaltungsverbot, Ausgangssperre oder Quarantäne) abgesagt werden, spricht man von „höherer Gewalt“. Damit wird die Abhaltung der Hochzeit rechtlich unmöglich und die Geschäftsgrundlage gemäß § 1447 ABGB für das getroffene Arrangement fällt weg. In so einem Fall haftet das Brautpaar nicht für die Zahlung des vereinbarten Entgelts. Wird mit dem Dienstleister kein passender neuer Termin gefunden, könnt ihr vom Vertrag zurücktreten und seid in der Regel nicht verpflichtet Stornokosten zu zahlen. Ebenso könnt ihr die Rückerstattung bereits geleisteter Anzahlungen verlangen.

Hierfür gibt es keine Formvorschriften, eine einfache Mitteilung reicht. Sollte der Hochzeitsdienstleister dennoch eine Zahlung fordern, empfiehlt es sich, euren Anspruch schriftlich zu übermitteln. Dafür haben wir hier ein Musterschreiben für euch gefunden. Damit habt ihr auch einen Beleg, wenn es zu einer juristischen Streitigkeit kommen sollte.

Häufig sehen Dienstleister in ihren AGBs vor, dass bei Ausfall oder Verschiebung der Hochzeit ein gewisser Prozentsatz an Stornokosten zu zahlen ist. Aus Sicht unserer Rechtsexperten ist eine solche Klausel bei Wegfall der Geschäftsgrundlage und Unmöglichkeit infolge der Corona Maßnahmen jedoch nicht zulässig. Auf der anderen Seite sind solche Forderungen auf Seiten der Dienstleister auch irgendwo verständlich. Die Situation ist für viele und vor allem kleine Unternehmen existenzbedrohend, wenn sie wochen- oder monatelange keine Aufträge haben. Aus diesem Grund ist es wohl das Beste, wenn ihr versucht gemeinsam eine Lösung zu finden und angesichts der schwierigen Lage, so gut es geht auf alternative Angebote der Dienstleister eingeht.

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2. Hochzeit grundsätzlich erlaubt

Ist die Durchführung der Hochzeitsfeier im Gebiet eurer Hochzeitslocation grundsätzlich erlaubt, ihr könnt es allerdings nicht mit eurem Gewissen vereinbaren, eure Freunde und Verwandte einem Risiko auszusetzen, sieht die Situation schon wieder etwas anders aus. Sagt ihr die Hochzeit ab, müsst ihr euch in diesem Fall wohl oder übel an die AGBs eurer Dienstleister halten und/oder auf eine kulante Lösung hoffen. Gibt es keine vertraglichen Regelungen, gelten die gesetzlichen Ansprüche, die zwischen den Dienstleistern und Konsumenten gelten. Je nach Vertrag der abgeschlossen wurde, können sich diese in Österreich etwa aus §§ 14 f FAGG, oder § 4 KSchG ergeben. Für Deutschland hat dazu Simone Winkler, Anwältin in Hamburg, eine Einschätzung .

Tipp: Versicherungsschutz für die Absage der Hochzeit aufgrund von Erkrankung, Tod oder verhinderter Anreise bietet die Hochzeitsstornoversicherung von LAMIE direkt. Bei Abschlüssen bis zum 31.03.2020 sind auch Fälle im Zusammenhang mit dem Corona Virus versichert. Genauere Infos dazu findet ihr in den FAQs unten auf der Website.

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Situation noch ungewiss, sollen wir verschieben?

Eure Hochzeit ist erst in den nächsten Monaten und ihr überlegt, zur Sicherheit alles zu verschieben? Nun, die Entscheidung können wir euch nicht abnehmen. Ein paar Dinge solltet ihr dabei aber beachten. Das Wichtigste ist natürlich, ein neues Datum zu finden und so viele Dienstleister wie möglich für diesen neuen Termin zu gewinnen. Was nicht so leicht sein wird, denn die Anbieter sind für diesen späteren Zeitpunkt womöglich auch schon gebucht. Auch bei der Kirche, dem Pfarrer oder dem Standesamt können Wartezeiten von einem Jahr oder mehr auf euch zukommen. Sind manche Dienstleister für den neuen Termin nicht verfügbar, trifft euch möglicherweise, der oben beschriebene Kampf um die Stornogebühren. Deshalb sollte man nicht überstürzt reagieren.

Auf der anderen Seite gilt: Je früher ihr damit dran seid, eurer Fest auf einen anderen Tag zu verlegen, desto höhere Chancen habt ihr auf einen baldigen neuen Termin, denn auch viele andere werden ihre Hochzeit verschieben müssen. Wenn ihr die Situation also abwarten wollt und noch überlegt, ob ihr die Hochzeit verschiebt oder nicht, solltet ihr diesen „Knappheitsfaktor“ in eure Entscheidung miteinfließen lassen. Eine bessere Auswahl an freien Terminen gibt es wahrscheinlich in der kalten Jahreszeit. Das gibt euch vielleicht die Gelegenheit, die Feier heuer noch nachzuholen und zwar im Rahmen einer romantischen Winterhochzeit.

Übrigens: Solltet ihr für den neuen Termin auch neue Dienstleister benötigen, helfen wir euch gerne bei der Suche.

To Dos bei Verschiebung der Hochzeit

Ist die Verschiebung der Hochzeit unausweichlich, gibt es so einiges an frustrierendem Mehraufwand, auf den wir euch, wenn auch nur ungern, hinweisen müssen:

  • Finden eines neuen Hochzeitsdatums durch Koordination mit Hochzeitslocation, Standesamt und Kirche (oder freier Trauredner)
  • Abklärung mit den übrigen Hochzeitsdienstleistern und/oder Ersatz finden
  • Umbuchung/Stornierung der Hochzeitsreise
  • Hochzeitsgäste informieren und Rückmeldungen für neuen Termin einholen
  • Neubestellung von nutzlos gewordener Hochzeitspapeterie mit falschem Datum
  • Eheringe neu gravieren lassen
  • Sonstige personalisierte Hochzeitdeko ändern lassen, wie zum Beispiel Hochzeitsschilder, Ringkissen, Hochzeitskerze etc.
  • Findet die Hochzeit in einer anderen Jahreszeit statt, müsst ihr vielleicht auch die Hochzeitsblumen-Deko neu planen, da nicht alle Blumen ganzjährig blühen.
  • Eventuell müssen Anzug und Brautkleid neu angepasst und aufgebügelt werden (zum Beispiel wegen Schwangerschaft, volatilem Gewicht und Ähnlichem).
  • Tagesplanung der Hochzeit eventuell überdenken oder ändern, falls der neue Trauungstermin früher oder später stattfindet (z.B. Trauung in der Kirche um 15.00 Uhr anstatt um 12.00 Uhr).

So oder so wünschen wir euch ganz viel Kraft und Energie in diesem Alptraum für alle Brautpaare und drücken euch die Daumen, dass sich die Situation mit den wärmer werdenden Temperaturen bessert.

Absage Hochzeit Coronavirus